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Führungskräfte trainieren in einer Budo-basierten Übung Fokus, Anpassungsfähigkeit und Entscheidungsstärke unter Druck

So führst du in Unbruchzeiten: stabil im Kern, beweglich im Handeln

Vom Dojo ins Boardroom

Ein LinkedIn-Post von Roman Tschäppeler, der sich auf Gedanken von Bertrand Russell, nämlich das Induktionsproblem aus The Problems of Philosophy bezog, hat mich letzte Woche beschäftigt.

Der Post begann mit den Worten: „Traurig, aber wahr: Menschen sind die Krone der Schöpfung, denken aber so kurzsichtig wie Hühner.“

Wir handeln, als seien die Erfahrungen der Vergangenheit Garantien für die Zukunft und übersehen dabei, dass nur weil etwas in der Vergangenheit gelungen ist, heisst das nicht, dass es wieder passiert. Das Huhn erwartet wie gewohnt sein Futter bis irgendwann Weihnachten kommt und es selbst zum Futter wird.

Unser Wirtschaftsleben, unsere Strategien, unsere Führung basiert oft auf der Annahme: Was bisher funktioniert hat, wird auch künftig funktionieren. Doch wenn sich das Umfeld schneller bewegt als unsere Annahmen, müssen wir den geänderten Bedingungen schnell anpassen.

Die Frage ist: Wie bleibe ich beweglich, ohne beliebig zu werden?

Die Komfortzone der Erfahrung

Wir lieben Stabilität. Sie beruhigt unser Nervensystem, gibt uns das Gefühl von Kontrolle und unser Gehirn liebt Abkürzungen, die Energie sparen und für gewisse Aufgaben enorm effizient sind. Einerseits, nachvollziehbar: Wenn etwas gut genug funktioniert hat, stufen wir es als verlässlich ein und sehen auch nicht die Notwendigkeit, etwas daran zu ändern. Prozesse und Routinen helfen uns, Entscheidungen schneller zu treffen. Sie geben uns Rahmen und Handlungssicherheit. Doch je länger etwas funktioniert, desto stärker verankert es sich als vermeintliche Gewissheit.

Es lohnt sich daher, diese «Gewissheit» regelmässig zu hinterfragen:

 

❓Welche meiner Überzeugungen basieren nur auf Gewohnheit?

❓Wo verwechsle ich Wahrscheinlichkeit mit Sicherheit?

 

In der Kampfkunst lernt man das sehr schnell. Du kannst tausendmal denselben Angriff trainieren. Im Dojo funktioniert er. Klar strukturiert. Sauber einstudiert. Doch im echten Kontakt kann diese Sicherheit schnell zerfallen. Der Rhythmus ändert sich. Der Abstand stimmt nicht. Dein Gegenüber reagiert anders als erwartet. Die Dynamik verändert sich. Deine Bewegung greift ins Leere, wenn du dich starr nur auf ein Muster klammerst.

Business ist nicht anders. Märkte verändern sich, neue Wettbewerber tauchen auf während künstliche Intellgenz Prozesse beschleunigt. Kundenverhalten verschiebt sich. Und doch handeln viele Organisationen so, als würde sich das Grundmuster gleich bleiben.

 

Zwischen Release-Zyklen und Richtungswechseln

Vielleicht sehe ich das Thema deshalb so klar, weil ich viele Jahre in IT- und Telco-Unternehmen gearbeitet habe. Branchen, in denen Stabilität ein kurzes Ablaufdatum hat. Dort ändern sich Marktbedingungen schnell. Technologien entwickeln sich in Sprüngen. Strategien werden nicht im Fünfjahresrhythmus angepasst, sondern manchmal im Quartal oder schneller.

Produkte, die gestern noch Innovation waren, sind morgen Standard, Roadmaps werden neu priorisiert, Budgets verschoben, Teams umgebaut und reorganisiert. In diesem Umfeld ist Anpassungsfähigkeit kein „Nice-to-have“. Sie entscheidet darüber, ob du am Markt relevant bleibst.

 

Was unter diesen Bedingungen klar wird: Geschwindigkeit allein reicht nicht.  Was es braucht, ist eine Führungsliga, die unter Druck ruhig und stabil bleibt, die Kurskorrekturen vornehmen kann, ohne in Aktionismus zu verfallen, die mit klaren Fokus sinnvoll weiter steuert.

Und hier schliesst sich für mich der Kreis zum Budo-Coaching.

 

Im Dojo spüren Führungskräfte mental und körperlich, was das heisst handlungsfähig zu bleiben, wie Starrheit, Flexibilität und Schnelligkeit gepaart mit Treffsicherheit sich anfühlen. Die Übungen zeigen, wie Körper und Geist unter Druck reagieren und jeder übt, trotz der Unvorhersehbarkeit klar zu bleiben. Im Self-Leadership Workshop zum Beispiel wird geübt, schnelle Entscheidungen zu treffen, ohne die Verbindung zum eigenen Zentrum zu verlieren.

 

KI als Beschleuniger

Was ich aus der IT- und Telco-Welt kenne, breitet sich inzwischen in nahezu allen Branchen aus. Künstliche Intelligenz beschleunigt Prozesse, automatisiert Entscheidungen und verändert Geschäftsmodelle in rasantem Tempo.

 

Damit steigt die Geschwindigkeit von Marktbewegungen weiter. Rollenprofile wandeln sich. Kompetenzen verschieben sich. Wissen veraltet schneller. Mit dem Einzug von KI-Tools in den Arbeitsalltag kommt ein neuer Trainingspartner ins Spiel. KI- Systeme erkennen Muster in riesigen Datenmengen und liefern in Sekundenbruchteilen Vorschläge. Das ist beeindruckend und entlastend. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass wir unsere eigene Analysefähigkeit verkümmern lassen.

 

KI kann uns unterstuetzen, sie kann Optionen aufzeigen und Szenarien simulieren. Die Bewertung dieser Optionen bleibt eine menschliche Aufgabe. Gerade in ethischen Fragen, in Personalentscheidungen oder in strategischen Weichenstellungen braucht es Gespür für Menschen, Wertebewusstsein und Kontextverständnis.

 

Technologie sinnvoll zu nutzen, ohne dabei die eigene Urteilskraft zu verlieren, erfordert dieselbe Voraussetzungen wie im Training auf der Matte: offen für Neues, neugierig, lernbereit und gleichzeitig geerdet im eigenen Körper und klar in den eigenen Werten und Grundhaltung.

 

Stabil im Kern, beweglich im Handeln

 

Im Dojo spricht man von einer Grundhaltung, aus der jede Bewegung möglich ist. Der Körper ist ausbalanciert, das Gewicht zentriert, die Aufmerksamkeit wach. Du bist weder verkrampft noch passiv. Du bist bereit.

Diese Haltung lässt sich direkt auf Führung übertragen.

 

Stabilität entsteht durch Klarheit über Werte, Prioritäten und Kompetenzen. Wenn du weisst, wofür dein Bereich steht und welche Fähigkeiten dich tragen, verlierst du bei äusseren Veränderungen nicht sofort die Orientierung.

Das Zentrum bleibt stabil, auch wenn sich die Form verändert:  in diesem Spannungsfeld bewegt sich moderne Führung.

 

Aus der Erfahrungswerte der Vergangenheit leiten wir Annahmen an, die unsere Entscheidungsgrundlage bilden. Dennoch sind diese Annahmen  für ideale Bedingungen gedacht. Wer zusätzlich Robustheit einplant, baut Systeme, die auch Brüche überstehen.

Das bedeutet, Kompetenzen breiter aufzustellen, Abhängigkeiten zu reduzieren und alternative Optionen mitzudenken. Szenarien helfen mehr als lineare Prognosen. Sie erweitern den Denkraum. Im Selbstverteidigung ist der mentale Aspekt genau so entscheidend wie die eingeübte körperliche Techniken. Mental gehst du verschieden Szenarien durch. Genau so in deinem Business Alltag:

❓Was ist dein Plan B?

❓Was passiert, wenn ein zentraler Markt wegbricht?

❓Wenn eine Technologie schneller skaliert als erwartet?

❓Wenn regulatorische Rahmenbedingungen kippen?

 

Im Training würdest du sagen: Du bereitest dich nicht nur auf den wahrscheinlichsten Angriff vor, sondern auf verschiedene Varianten. Das verändert deine Aufmerksamkeit. Im Körper zeigt sich Flexibilität als Balancefähigkeit. Du verlierst nicht sofort den Stand, wenn Druck entsteht. Im Unternehmen zeigt sie sich als Lernfähigkeit, Anpassbarkeit und offene Kommunikationskultur.

 

Und dann gibt es noch einen besonders heiklen Punkt: Erfolg.

Erfolg lullt ein. Wenn Ergebnisse stimmen, sinkt die Bereitschaft zur Selbstprüfung. „Es läuft doch“ wird zur inneren Beruhigungsformel. Genau hier entsteht Blindheit.

 

Demut als strategische Stärke

 

Demut bedeutet Klarheit über die Grenzen des eigenen Wissens. Sie schützt vor Selbstüberschätzung und vor der Illusion vollständiger Kontrolle. In dynamischen Märkten hält dich Demut wach und öffnet den Blick für schwache Signale. Sie erlaubt es dir, Kurskorrekturen vorzunehmen, ohne dein Ego verteidigen zu müssen.

 

Diese Balance gelingt nur mit einem stabilen inneren Stand.

 

Im Dojo lernt man früh: Stabilität entsteht aus dem Zentrum. Wer nur mit Muskelkraft arbeitet, verliert schnell das Gleichgewicht. Wer innerlich hektisch ist, wirkt ungenau. Ein guter Stand beginnt bei den Füssen, geht über die Beine ins Becken und von dort in die Wirbelsäule. Es ist ein fliessendes Zusammenspiel aus Spannung und Entspannung, aus Erdung und Beweglichkeit.

 

Im Management erlebe ich oft das Gegenteil. Die äussere Bewegung ist hoch, die innere Stabilität gering. Kalender sind voll, Meetings reihen sich aneinander, Entscheidungen werden im Halbstundentakt getroffen. Gleichzeitig fehlt die Zeit, innezuhalten und zu prüfen: Auf welcher Annahme basiert das gerade? Ist das eine fundierte Einschätzung ?

 

Im Training wird jede Technik immer wieder hinterfragt. Funktioniert sie gegen einen groesseren Gegner? Gegen einen schnelleren? In einem engen Raum? Unter Stress? Diese Variationen zwingen dazu, das Prinzip hinter der Technik zu verstehen und wie nötig anzupassen.

 

Vom Coaching in den Alltag

 

Wenn ich heute mit Führungskräften arbeite, sehe ich oft, wie sehr sie nach Orientierung suchen. Die To-do-Listen sind lang, die Erwartungen hoch. Was häufig fehlt, ist ein innerer Anker. Eine klare Vorstellung davon, was im Kern unverhandelbar ist und wo Flexibilität gefragt ist.

Im Dojo wird beides verdeutlicht. Die konkrete Umsetzung variiert je nach Situation, dennoch diese Kombination aus klarer Basis und situativer Anpassung ist entscheidend.

 

💡Fünf praktische Umsetzungsschritte, die du direkt anwenden kannst:

1️⃣ Hinterfrage Annahmen regelmässig.

Plane feste Reflexionspunkte ein, an denen du zentrale Überzeugungen überprüfst. Was haltest du für selbstverständlich? Warum?

 

2️⃣Trainiere Szenarien.

Spiele alternative Entwicklungen durch als geistige Beweglichkeitsübung.

 

3️⃣Stärke vielseitige Kompetenzen im Team.

Fördere bereichsübergreifende Zusammenarbeit und aktiven Wissenstransfer. Vermeide Abhängigkeiten von einzelnen Personen oder Silos. Breite Fähigkeiten und Cross-Teams erhöhen die Anpassungsfähigkeit, fachlich wie kulturell.

 

4️⃣Beobachte und reguliere deine Stressreaktionen.

Achte in Drucksituationen bewusst auf Atmung, Körperspannung und Impulse. Körperliche Selbstwahrnehmung erhöht Entscheidungsqualität.

 

👉Hier eine einfache Routine:

Weite und Orientierung. Geh kurz nach draussen oder stell dich ans Fenster. Heb den Blick. Such dir einen Fixpunkt in der Ferne. ->Dein System registriert: keine akute Bedrohung. Der innere Alarm fährt spürbar herunter.

Der physiologische Seufzer. Durch die Nase einatmen, kurz nachziehen und dann lange durch den Mund ausatmen. Mehrmals wiederholen. Der Puls sinkt. Die innere Anspannung lässt nach. Du wirst wieder klarer im Kopf.

Body Scan. Spür langsam durch deinen Körper. Wo ist Spannung? Wo Druck? Nur wahrnehmen, nicht bewerten. Du kommst raus aus dem Gedankenkarussell. Du kommst wieder in Kontakt mit dir.

Mikro-Bewegungen. Sanft im Stand wiegen oder kleine intuitive Bewegungen zulassen. ->Löst unbewusste Spannung. Dein Körper bekommt das Signal: Ich bin handlungsfähig.

Diese Schritte dauern wenige Minuten. Sie verändern jedoch die Qualität deiner Entscheidungen deutlich.

 

5️⃣ Pflege Widerspruch.

Schaffe psychologisch sichere Räume, in denen Annahmen offen hinterfragt werden dürfen, ohne Angst vor Gesichtsverlust oder Sanktionen. Unterschiedliche Perspektiven reduzieren blinde Flecken und erhöhen die Qualität von Entscheidungen.

 

6️⃣ Werte und Weg klar kommunizieren.

Definiere, wofür du stehst. Transparenz schafft Vertrauen. Dein Team braucht keine perfekten Prognosen, sondern Orientierung und Verlässlichkeit.

 

Die Arbeitswelt wird sich weiter beschleunigen. Märkte werden volatiler, Technologien leistungsfähiger, Entscheidungszyklen noch kürzer. Beweglich im Handeln zu bleiben heisst, Veränderungen nicht als Bedrohung, sondern als Realität anzuerkennen. Wer im Kern gefestigt ist, kann sich leichter bewegen und auch in unsicheren Zeiten entscheidungsfähig bleiben.

 

Selbstführung als Grundlage

 

Am Ende führt jede strategische Frage zur Selbstführung.

 

❓Wie gehst du mit Unsicherheit um?

❓Welche Reaktion zeigt dein Körper unter Druck?

❓Ziehst du die Zügel an? Wirst du ungeduldig? Vermeidest du Entscheidungen?

 

Führung beginnt wie in der Kampfkunst im eigenen Zentrum. Wer innerlich klar ist, kann die Richtung aufzeichnen und den Weg vorweisen.

Stehst du gerade in einer Umbruchphase und suchst Klarheit?
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Oder du startest im Workshop zur Selbstführung und stärkst dein inneres Fundament.
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