Vom Dojo ins Boardroom Ein LinkedIn-Post von Roman Tschäppeler, der sich auf Gedanken von Bertrand…

Führen mit der Haltung eines Leaders
Auch unter Druck
Thomas ist Mitte 40 und arbeitet seit über 15 Jahren mit vollem Engagement für eine internationale Hotelgruppe. Er wird für seine Fachkompetenz und Loyalität geschätzt – trotzdem ist er bislang nicht über das Middle Management hinausgekommen.
Im Coaching ging es zunächst darum, Klarheit über seine nächsten Karriereschritte zu gewinnen und den Übergang vom Manager zum Leader bewusst zu gestalten. Gleichzeitig steht er in einem Umfeld hoher Anforderungen, in dem er zunehmend das Gefühl hat, allein gelassen zu sein.
Er muss einerseits harte strategische Entscheidungen mittragen und Kosten massiv reduzieren. Andererseits soll er das operative Geschäft stabil halten – bei gleichzeitig deutlich weniger Ressourcen.
Die Situation belastet ihn spürbar. Energie und Zuversicht schwinden, obwohl er sich für sein Team und das Unternehmen stark einsetzen will.
Was er tun muss, steht oft im Widerspruch zu dem, was er fühlt. Diese innere Spannung erzeugt Druck und Frustration – und zeigt sich auch körperlich in Form von Rücken- und Kopfschmerzen sowie Schlafproblemen.
Ihm wird klar: Bevor er sein Team wirksam führen kann, muss er zuerst seine eigene innere Haltung stabilisieren. Denn wenn er selbst erschöpft und unsicher ist, verliert er Wirkung – egal wie gut seine fachlichen Entscheidungen sind.
Im Coaching hatte er einen neutralen Raum, um offen zu reflektieren und die Verbindung zwischen Körper, Emotion und Verhalten wieder bewusst wahrzunehmen.
Schritt für Schritt erkennt er den Zusammenhang zwischen innerer Haltung, körperlichem Zustand und Aussenwirkung. Weg von Dauerstress, Zahlen und operativem Druck – hin zu mehr Klarheit über eigene Bedürfnisse, Werte und seine Führungsrolle.
Der Fokus des Programms lag auf Resilienz, Anpassungsfähigkeit und Führungshaltung – insbesondere auch auf nonverbaler Kommunikation und Präsenz unter Druck.
Wir haben ihn vier Wochen intensiv begleitet – mit zwei Einheiten pro Woche – und danach weitere vier Wochen im Sparring unterstützt.
Der wichtigste Schritt war, die aktuelle Situation nicht mehr zu bekämpfen, sondern sie anzunehmen. Dadurch konnte er Abstand gewinnen und seine Aufgaben aus neuen Perspektiven betrachten. Genau daraus entstanden erste kreative Lösungen.
📈 Ergebnis im Alltag
Durch gezielte körperbasierte Trainings hat Thomas sein Fokus deutlich geschärft.
👉Er wirkt stabiler, klarer und entschlossener. Sein Team und seine Vorgesetzten nehmen ihn heute anders wahr.
👉Seine Ziele sind greifbarer geworden – er kann sie klar benennen, visualisieren und konsequent verfolgen.
👉Er kommt ins Handeln. Sein Team respektiert seine Entscheidungen und arbeitet wieder fokussierter zusammen.
🔗 Einordnung aus Leadership- und Stressforschung
Was wir in der Arbeit mit Führungskräften immer wieder beobachten, wird auch in der Leadership- und Stressforschung beschrieben: Unter Druck entscheidet nicht nur der Kopf, sondern stark auch die körperliche Stressreaktion.
Forschung zur Stress- und Performance-Dynamik zeigt, dass Menschen in Belastungssituationen entweder handlungsfähig bleiben – oder in automatische Schutzreaktionen kippen, die Wahrnehmung, Klarheit und Entscheidungsfähigkeit einschränken.
In der Leadership-Forschung wird zudem betont, dass „Executive Presence“ nicht nur eine mentale Haltung ist, sondern sich über Körper, Stimme und nonverbale Stabilität ausdrückt (u. a. diskutiert in Leadership-Publikationen wie dem Harvard Business Review).
Auch Ansätze aus der Embodiment-Forschung gehen davon aus, dass Denken, Entscheiden und körperlicher Zustand eng miteinander verbunden sind – und sich gegenseitig beeinflussen.
💡 4 Impulse für Führungskräfte unter Druck
1. Abstand schaffen
Geh bewusst aus dem operativen Modus raus. Die besten Lösungen entstehen selten im Dauerstress, sondern im Moment der Distanz.
Viele Führungskräfte haben dann ihre besten Ideen, wenn sie etwas tun, das nichts mit der Arbeit zu tun hat.
2. Perspektive wechseln
Sei neugierig und offen, erweitere deine Perspektive und überlege, ob du an bevorstehende Aufgaben anders herangehen können.
Frag dich bewusst:
✍️Wie würde eine Führungskraft handeln, die du respektierst?
✍️Welche Entscheidung würdest du treffen, wenn du doppelt so viel – oder gar keine Ressourcen hättest?
✍️Was für andere Szenarien und Lösungen kann ich mir sonst ausmalen?
3. Ins Handeln kommen
Nachdenken ist hilfreich, dennoch Führung entsteht im Tun. Klarheit entwickelt sich durch Erfahrung, nicht durch Perfektion.Kommen Sie ins Tun – Leadership entwickelt sich, indem du handelst, indem du in neue Situationen hineinwächst und kontinuierlich an dich selbst arbeitest.
4. Behalte die Kontrolle
Im Budo geht es unter Druck nicht darum, Kontrolle zu halten, wenn Druck kommt.
Wenn die Situation kippt, wird der Körper wird zuerst zentriert:
- Füsse fest in den Boden – Gewicht klar abgeben
- Becken senken – Zentrum setzen
- Hände offen – keine unnötige Spannung
- Blick weich, weit – nicht fixieren, sondern erfassen
Das wirkt unscheinbar – verändert aber sofort deine Präsenz. Das ist Position beziehen.
Du verlierst damit nicht den Druck. Aber du verlierst das innere Wegkippen: dieses Engewerden, Festmachen, Kontrollieren-Wollen.
Und genau dort entsteht der Unterschied:
Wer das trainiert, wirkt in schwierigen Situationen nicht einfach ruhig, sondern klar, präsent und schwer aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Mit Kampfkunst- und HR-Business-Partnering-Expertise begleiten wir Führungskräfte dabei, nicht nur zu funktionieren – sondern wirksam zu führen. Bist du bereit, dein Team mit der Haltung eines Leaders zu führen?
