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Vier ehemalige Kolleginnen sitzen entspannt bei einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant und wirken vertraut und verbunden

Einsamkeit im Job: Warum Nähe nicht gleich Verbindung ist

Und was du dagegen tun kannst.

Neulich traf ich drei ehemalige Kolleginnen zum Abendessen. Wir arbeiten seit über zehn Jahren nicht mehr zusammen und sehen uns ungefähr einmal im Jahr. Und trotzdem: Kaum sitzen wir zusammen, ist da sofort wieder diese Wärme. Diese Vertrautheit. Als wäre die Zeit zwischendrin kaum vergangen.

Das ist eine Verbindung, die irgendwann wirklich entstanden ist – und die trägt, weil sie echt war. Damals, in unserem HR-Team, haben wir uns  zugehörig gefühlt.

 

Diese Art von Verbindung fehlt heute vielen Menschen im Job.

 

Was die Zahlen sagen

 

Der aktuelle «State of the Global Workplace 2026»-Report des Forschungsinstituts Gallup bestätigt das Bild weltweit: Rund 22 Prozent der Beschäftigten fühlen sich täglich einsam. Und hier kommt das vielleicht überraschendste Ergebnis des Berichts: Remote-Mitarbeitende liegen mit 23 Prozent kaum höher als Hybrid- und Vor-Ort-Beschäftigte, die beide bei rund 22 Prozent liegen.

Der Arbeitsort macht also kaum einen Unterschied.

 

Das überrascht mich nicht. Es spricht aus, was ich bei vielen Klientinnen wahrnehme: Sie arbeiten in Teams zusammen, sie funktionieren, sie sind eingebunden in Meetings, Calls, Chats. Und trotzdem fühlen sie sich allein.

Die naheliegenden Erklärungen greifen oft zu kurz.

 

Ist Homeoffice schuld?

 

Manchmal ja, ich kenne das aus eigener Erfahrung: Als ich von Deutschland in die Schweiz gezogen bin, habe ich rund eineinhalb Jahre im Homeoffice gearbeitet. Am Anfang war es praktisch. Aber mit der Zeit wurde es stiller. Zäher. Mir fehlte das Team, der beiläufige Austausch – selbst der schnelle Kaffee zwischendurch.

Und genau da habe ich gemerkt: Es geht nicht nur um den Arbeitsort. Da wirkt noch etwas anderes im Hintergrund.

Klar, weniger physische Begegnung kann Einsamkeit verstärken. Aber die Daten zeigen noch mehr, etwas Wichtiges: Es spielt keine Rolle, ob du im Büro sitzt oder zuhause. Entscheidend ist, wie tief deine Verbindungen wirklich gehen, mit wem und wie du arbeitest.

 

Das vielleicht überraschendste Ergebnis mancher Erhebungen: Besonders einsam fühlten sich diejenigen, die sogar relativ viel persönlichen Kontakt hatten.

Du kannst im Büro sitzen und trotzdem unsichtbar bleiben. Und du kannst im Homeoffice arbeiten und dich verbunden fühlen. Der Unterschied liegt darin, ob du dich einbringst. Ob du dich zeigst.

 

Nähe ist nicht gleich Verbindung

Du kannst den ganzen Tag mit Menschen verbringen und dich trotzdem innerlich isoliert fühlen.

Denn echte Zugehörigkeit entsteht in den Momenten, in denen du dich wirklich gemeint fühlst: wenn dir jemand zuhört und nachfragt, wenn dein Beitrag aufgegriffen wird, wenn ein Blick oder ein kurzer Kommentar zeigt «ich sehe dich» – und du merkst, dass das, was du einbringst, beim anderen ankommt.

 

Zugehörigkeit ist kein Nice-to-have

Sich zugehörig zu fühlen ist ein Grundbedürfnis. Wir sind als soziale Wesen darauf angewiesen, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Evolutionär betrachtet war Zugehörigkeit überlebenswichtig. Wer ausgeschlossen wurde, hatte ein Problem.

Dieses Programm läuft heute noch. Unser Nervensystem scannt permanent: Werde ich gesehen? Werde ich respektiert? Bin ich sicher?

Dennoch nehmen wir diese Warnsignale nicht immer objektiv wahr. Dann sehen wir nicht, was ist, sondern, was wir gelernt haben.

 

Warnsignale ernst nehmen

Einsamkeit im Job kommt selten mit Ansage. Sie schleicht sich rein.

Du merkst es daran, dass du weniger Lust hast, dich einzubringen. Dass du schneller genervt bist. Dass du dich zurückziehst. Oder innerlich kündigst, obwohl du noch da bist.

Wenn du das bei dir erkennst: Nimm es ernst, ohne zu dramatisieren aber auch ohne wegzuschieben.

 

Nehmen wir als Beispiel eine typische Situation:

Du bist im Meeting. Du hast eine Idee. Du spürst kurz diesen Impuls deine Idee zu teilen – und dann kommt sofort der zweite Gedanke: «Lass lieber. Ist vielleicht nicht gut genug.»

Also sagst du nichts. Was passiert danach? Business as usual. Niemand reagiert auf dich. Niemand bezieht dich ein. Und dein System bestätigt sich selbst: «Siehst du, ich werde nicht gesehen.»

Das Problem ist nicht die Situation. Das Problem ist der Moment, in dem du dich zurücknimmst.

Selbstbehauptung setzt da an: als kleine, klare Bewegung nach vorne.

 

Drei konkrete Schritte für den Alltag

 

  1. Du wirst unterbrochen
  • Alt: Du ziehst dich zurück.
  • Neu: «Ich war noch nicht fertig – ich bringe den Gedanken kurz zu Ende.» Klar. Ruhig. Ohne Rechtfertigung.
  1. Du bist anderer Meinung
  • Alt: Du passt dich an.
  • Neu: «Ich sehe das anders – ich erkläre kurz warum.» Nicht aggressiv, aber eindeutig.
  1. Du willst Anschluss finden
  • Alt: Du wartest, dass jemand endlich auf dich zukommt.
  • Neu: «Hey, ich geh kurz einen Kaffee holen – kommst du mit?»  Das sind genau die Momente, in denen Verbindung entsteht.

 

Was das Dojo damit zu tun hat

 

Ich trainiere und unterrichte seit vielen Jahren Kampfkunst – und irgendwann habe ich gemerkt, dass das, was ich im Dojo lerne, direkt in mein Coaching fliesst. Ich verbinde Kampfkunst-Philosophie mit Leadership- und Persönlichkeitsentwicklung, und genau deshalb findet meiner Arbeit im Dojo, auf der Matte.

Im Dojo lernen wir etwas, das im Job oft fehlt: echten Kontakt. Es geht nicht um Smalltalk oder funktionales Zusammenarbeiten. Es geht eher um Momente, in denen du wirklich mit jemandem in Berührung kommst, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Du spürst, wie jemand reagiert. Du lernst, Raum zu halten und gleichzeitig präsent zu sein. Du übst, dich zu zeigen, auch wenn es sich nicht sofort sicher anfühlt.

Diese Erfahrungen hinterlassen einen Abdruck, der bleibt.

 

Warum ein Budo-Gruppencoaching dir helfen kann

 

Veränderung passiert erst, wenn dein Körper neue Erfahrungen macht. Wenn du spürst: «Ich kann mich zeigen – und es passiert nichts Schlimmes.» Oder sogar: «Ich werde gehört.»; «Ich kann für mich einstehen.»

 

Deshalb arbeite ich in kleinen Gruppen: das Setting ist intensiver und die Gruppe selbst Teil der Wirkung.

Du merkst sehr schnell: Du bist nicht die Einzige, die mit Herausforderungen zu kämpfen hat. Andere kennen genau dieses Gefühl – den Moment der Verunsicherung, in dem man sich zurückhält, obwohl man eigentlich etwas sagen möchte. Dieses gegenseitige Erkennen schafft etwas Wichtiges: Verbindung. Und genau durch das Teilen, durch das ehrliche Feedback und durch das gemeinsame Üben entstehen Beziehungen, die über das Wochenende hinaus tragen.

 

In meinen Gruppen arbeite ich über den Körper: Haltung, Bewegung, Präsenz und was das über deine innere Einstellung verrät. Über klare Bewegung. Über Grenzen, die du nicht nur aussprichst, sondern verkörperst. Du gehst in Situationen rein, probierst dich aus und bekommst unmittelbares Feedback. Was du mitnimmst: mehr Klarheit im Auftreten, ein besseres Gefühl für deine Grenzen und die Erfahrung, dass Sichtbarkeit möglich ist — und dass es zum Teil an dir liegt, mutiger auf deine Kollegen zuzugehen.

 

Fazit

Einsamkeit im Job ist kein Randthema und auch nicht nur eine Frage von Homeoffice oder Büro.

Oft entsteht sie dort, wo wir uns selbst zurücknehmen.

Die gute Nachricht: Du kannst es verändern. In unserem Selbstbehauptungskurs lernst du, dich zu zeigen — klar, sicher und ohne dich zu verbiegen.

 

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