Brenzlige Situationen entschärfen Schläge, Tritte, Selbstverteidigung — das ist, was die meisten mit Kampfkunst verbinden…

Bücher als Wegweiser – drei, die mich bis heute begleiten
und warum Bücher allein kein Leben verändern
Melanies Aufruf zur Blogparade über die drei Bücher, die das eigene Leben verändert haben, hat mich ins Grübeln gebracht. Ich lese seit jeher viel und mit grosser Leidenschaft – die Auswahl auf nur drei Bücher zu reduzieren, fiel mir deshalb alles andere als leicht.
Ein Buch kann ein Zufluchtsort werden, dich Abenteuer erleben lassen, deine Fantasie beflügeln und deinen Horizont erweitern. Doch seine eigentliche Kraft entfaltet sich erst dann, wenn seine Gedanken in uns Resonanz finden.
Und die Wahrheit ist: Kein einzelnes Buch hat mein Leben verändert. Es war immer ein Zusammenspiel. Ein Buch begegnet dir im richtigen Moment. Es trifft auf etwas, das längst in dir arbeitet. Auf eine Frage, für die dir noch die Worte fehlen. Erst dann beginnt es, etwas in Bewegung zu setzen.
Geprägt haben mich deshalb nicht die Bücher allein, sondern die Menschen, denen ich begegnet bin, die Erlebnisse, die mich geformt haben, und natürlich die vielen Jahre in der Kampfkunst. Das Dojo wurde für mich zur Lebensschule und zum Wegweiser.
Trotzdem habe ich drei Bücher ausgewählt, die bis heute in meinem Regal stehen und zu denen ich immer wieder zurückkehre – weil sie mir etwas gegeben haben.
3 inspirierende Bücher
1. Vera F. Birkenbihl – Kommunikationstraining
Ich war neu in Deutschland. Mein Deutsch war gut: Ich konnte ziemlich alles verstehen, mich ausdrücken und Gespräche führen. Aber bei Auseinandersetzungen fehlte mir noch die Sicherheit. Wenn es darum ging, meinen Standpunkt zu erklären und zu verteidigen, hatte ich Schwierigkeiten.
Wer schon einmal in einer Fremdsprache diskutiert hat, der weiss, was ich meine. Du weisst genau, was du sagen willst. Aber die Worte kommen zu langsam oder dir fehlt gerade das richtige Vokabular. Obwohl du eigentlich gute Argumente hättest, verlieren sie in diesem Moment an Wirkung, weil sie zögerlich und unsicher präsentiert werden. Der andere hat längst die Gesprächsführung übernommen und die „Schlacht“ scheinbar gewonnen. Und nicht, weil deine Argumente weniger wert sind – sondern weil du sie nicht mit derselben Klarheit ausdrücken kannst. Sehr frustrierend.
Birkenbihl zeigte, wie wichtig die verbale sowie die nonverbale Ebene der Kommunikation ist. Kommunikation lässt sich trainieren. Wie ein Atemzug vor dem Angriff. Wie das Timing beim Konter.
Sie hat analysiert, wie Missverständnisse entstehen, wie Sprache Macht erzeugt – oder Ohnmacht. Wie du durch deine Wortwahl, deinen Tonfall und deine Körperhaltung entweder Präsenz zeigst oder dich selbst unsichtbar machst.
Die entscheidende Erkenntnis war mir damals nicht neu – doch erst als sie auf meine eigenen Erfahrungen traf, entfaltete sie ihre ganze Wirkung.
Wer atmet, wer geerdet ist, wer Raum einnimmt – der ist schon einen Schritt voraus.
Heute ist Kommunikation ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit: in Führungstrainings, in Selbstbehauptungskursen für Frauen und in Coachings. Deshalb beziehe ich immer den Körper mit ein. Denn Wirkung beginnt, bevor du sprichst.
2. Edward T. Hall – The Hidden Dimension
Hall beschreibt in seinem Werk The Hidden Dimension aus dem Jahr 1966, wie unterschiedlich Kulturen Raum wahrnehmen. Wie eine zu grosse oder zu kleine Distanz Unbehagen erzeugt, Vertrauen beeinflusst oder sogar Aggression auslösen kann – ohne dass irgendjemand es bewusst benennt. Es passiert einfach. Unterhalb der Bewusstseinsebene. Im Körper.
Ich habe das Buch an der Uni gelesen – also sehr lange her. Und für mich war es eine Offenbarung.
Das ist eine entscheidende Dimension auch in der Kampfkunst und generell in der Interaktion mit anderen. (Lese auch Die Sprache der Distanzen deuten: wie Sie sich Raum nehmen)
Die japanischen Budo-Künste kennen dafür den Begriff Ma (間): den bewussten Zwischenraum. Er ist keine Leere, sondern der Moment, in dem Wahrnehmung, Entscheidung und Handlung möglich werden. In der Kampfkunst geht es nicht nur um Technik, sondern auch darum, Distanz, Timing und den richtigen Moment zu erkennen. Oft entscheidet die Fähigkeit, einen kurzen Augenblick bewusst wahrzunehmen und klug zu nutzen.
Auch in der koreanischen Kultur gibt es einen Begriff, der mich immer wieder fasziniert: Nunchi – die Fähigkeit, Situationen aufmerksam wahrzunehmen, Zwischentöne zu erkennen und angemessen zu handeln. Quasi den Raum zu lesen.
Als Italienerin, die ihr Erwachsenenleben im Ausland und mit multikulturellen Teams immer gearbeitet hat, hat mir dieses Buch eine Erklärung für vieles gegeben, das ich auf Reisen und im Job erlebt hatte. Warum manche Begegnungen sofort Vertrauen entstehen liessen. Und warum andere mich innerlich zurückweichen liessen, obwohl noch kein einziges Wort gefallen war.
Wer lernt, seinen eigenen Radius bewusst zu gestalten, verändert seine Wirkung.
3. Paulo Coelho – Der Weg des Bogens
Dieses Buch ist anders. Es ist klein, hat schöne Bilder und liest sich in einem Nachmittag.
Ich blättere gerne immer wieder darin – besonders in Momenten, in denen ich merke, dass ich zu viel planen und erzwingen möchte.
Coelho erzählt die Geschichte eines Bogenschützen. Es geht um das Schiessen – aber eigentlich geht es um nichts anderes als das Leben. Um Vorbereitung und Loslassen. Um Konzentration und Vertrauen. Um den Moment, in dem du aufhörst, nur zu wollen, und anfängst, wirklich präsent zu sein.
Im Kyūdō – dem japanischen Bogenschiessen – gibt es ein ähnliches Prinzip. Der Pfeil trifft, weil der Schütze im richtigen Augenblick loslässt. Wer verkrampft, verhindert oft genau das, was er erreichen möchte.
Coelho schreibt keine Ratgeberliteratur. Er erzählt eine Geschichte. Und gerade darin liegen die kleinen Momente der Stille, die zum Nachdenken einladen.
Dieses Buch erinnert daran, dass Disziplin und Ausdauer wichtig sind – aber nichts mit Verbissenheit zu tun haben. Dass Entwicklung nicht nur durch Anstrengung entsteht, sondern auch durch Vertrauen. Manchmal entsteht Raum für Neues erst dann, wenn wir etwas loslassen.
Was alle drei Bücher gemeinsam haben
Die drei Bücher haben mich auf unterschiedliche Weise berührt. Sie haben mich in meiner Überzeugung bestärkt: Selbstführung beginnt dort, wo Körper und Kopf zusammenspielen.
Nachhaltige Veränderung entsteht nicht allein durch neue Erkenntnisse. Sie entsteht, wenn Wissen durch Erfahrung zu einer neuen Haltung wird.
Bücher sind Impulse. Das Leben ist das Dojo.
Vielleicht ist das die eigentliche Kraft guter Bücher: Sie verändern nicht unser Leben. Sie zeigen uns manchmal nur, was längst in uns angelegt ist.
Also, mein Tipp: Lies. Lass dich inspirieren. Aber geh hinaus und sammle deine eigenen Erfahrungen.
Denn dein Weg entsteht durch das, was du tust.
Möchtest du deine eigene Präsenz und Selbstführung weiterentwickeln? In unseren Coachings und Workshops verbinden wir Körper, mentale Stärke und praktische Erfahrung – für mehr Klarheit, Selbstsicherheit und Wirkung im Alltag.
Mein Beitrag zur Blogparade von Melanie https://minschtl.de/blog-wortgefluester/aufruf-zur-blogparade-inspirierende-buecher/
